Aufführungen der Landesbühne Niedersachsen-Nord GmbH
in der Theodor-Thomas-Halle, Walpurgisstraße, Esens.

Ein besonderer Dank geht an die Theaterfreunde Esens für ihre tatkräftige Unterstützung.




Dienstag, 28.03.2017, 19.30 Uhr


Unschuld von Dea Loher


Zwei illegale Immigranten stehen am Meer und sehen, wie eine Frau ertrinkt. Sie können sie nicht retten und machen sich dennoch schuldig. Der eine fürchtet daraufhin schlaflose Nächte, der andere findet Gott in einer Tüte. Die blinde Striptease-Tänzerin Absolut lässt sich auf einer kleinen Bühne von Männern betrachten, weil das der einzige Ort ist, wo sie es nicht heimlich tun. Die alleinstehende Frau Habersatt bittet bei Eltern für die Taten ihres amoklaufenden Sohnes, der gar nicht existiert, um Vergebung. Franz arbeitet bei einem Bestatter und interessiert sich mehr für die Verstorbenen als für seine Rau Rosa, die sich seit langem ein Kind wünscht. Stattdessen zieht ihre Mutter, die zuckerkranke Frau Zucker, bei ihnen ein. Und dann ist da noch die Philosophin Ella, die in ihrer Theorie „Über die Unzuverlässigkeit der Welt“ all diese Geschichten zu vereinen scheint.

Dea Loher ist eine der wichtigsten Gegenwartsautorinnen und verwebt in UNSCHULD klug, witzig und poetisch Geschichten von gesellschaftlichen Grenzgängern, große Menschheitsfragen und kleine Alltäglichkeiten.

 




Dienstag, 02.05.2017, 19.30 Uhr

Peer Gynt von Henrik Ibsen


Zunächst lernen wir den jungen Peer als Hallodri kennen, der redlich an seinem Ruf arbeitet: „Peer, du lügst.“ Er belügt seine Mutter, er phantasiert sich die ärmliche Hütte, in der er mit ihr lebt, als strahlenden Palast zurecht, träumt davon, Kaiser zu werden und verlässt seine sterbende Mutter und seine geliebte Solveig. Er entführt eine Braut von ihrer Hochzeit und verführt sie. Im Hochgebirge nur knapp den Trollen entkommen, schickt Peer sich an, die Welt zu erobern. Er ist Goldgräber in Amerika, wird als Sklavenhändler stinkend reich und vergnügt sich mit unzähligen Frauen – und verliert an eine all seinen Besitz. Er strandet in einem Irrenhaus, in dem ihn der wahnsinnige Anstaltsleiter zum Kaiser der Selbstsucht krönt.

Allein und verarmt tritt er die Rückreise an und muss erkennen, dass er, der immer nur „er selbst“ sein wollte, sich selbst verloren hat. Als der rätselhafte Knopfgießer seine Seele „einschmelzen“ will, bittet Peer um eine letzte Frist.

Am Ende wird er erlöst, durch die Liebe von Solveig, die die ganze Zeit auf ihn gewartet hat und auf seine Frage “Wo war ich?“ antwortet: „In meinem Glauben, in meinem Hoffen und in meinem Lieben.“

 




Dienstag, 23.05.2017, 19.30 Uhr


Sekretärinnen von Franz Wittenbrink

Franz Wittenbrink hat 2003 im Interview mit dem SPIEGEL gesagt: „Es ist doch das Größte, wenn das Publikum lachen und weinen kann – und das bei klarem Verstand.“ Dieses Kriterium erfüllt sein erfolgreichster Liederabend allemal. Von romantisch-melancholischen Liedern von Eichendorff („Das Ringlein“) bis hin zu großspurigen Behauptungen á la Fanta Vier („Zu geil für diese Welt“), von mediterraner 50er-Jahre-Sehnsucht („Ein Schiff wird kommen“) bis zum souligen Aufbegehren gegen den schmierigen Chef („Respect“) – an diesem Abend wird nichts ausgelassen.

Einziger Mann zwischen den ganzen Frauen ist der unscheinbare Bürobote, der – zumindest in der Vorstellung der Mädels – plötzlich zum Latin Lover („Se bastasse una canzone“) mutiert. Und als sie am Ende den Aufstand proben, nimmt er ihnen mit Hilfe von James Brown ihre Illusionen: „This is am man´s world …“. Allerdings wäre Wittenbrink nicht Wittenbrink, wenn er die zweite Hälfte des berühmten Refrains unter den Tisch fallen ließe: „… but it would be nothing without a woman or a girl.“

Von deftigen Zoten bis zu wunderbar um die Ecke gedachten Pointen – Wittenbrink beherrscht die ganze Klaviatur intelligenter Unterhaltung. Dass es dabei in Sachen Geschlechterklischees nicht immer politisch korrekt zugeht, liegt in der Natur der Sache.




Dienstag, 12.09.2017, 19.30 Uhr

SPAMALOT von Monty Python´s

Die britische Kultformation Monty Python erzählt in SPAMALOT auf humorvollste und freieste Weise die legendäre Geschichte um die Suche nach dem Heiligen Gral. König Artus stürzt sich mit seinem treuen Diener „Patsy“ und den Rittern der Tafelrunde in dieses aberwitzige Abenteuer, das schnell aus dem Ruder zu laufen droht. Fliegende Kühe, mordende Kaninchen und feindliche Raubritter stellen sich ihnen in den Weg – außerdem entpuppen sich die Ritter der Tafelrunde als eine Reihe hasenfüßiger Muttersöhnchen. Selbstverständlich gibt es auch eine Liebesgeschichte und die Kunstform Musical wird mit viel Herz parodiert. Ein ereignisreiches Abenteuer mit einer großen Portion Showbiz nimmt seinen Lauf …

Das mehrfach preisgekrönte Monty-Python-Musical SPAMALOT hat einen lückenlose Erfolgsgeschichte vom Broadway via London bis nach Deutschland aufzuweisen. Es entstand durch liebevolles Fleddern der Monty-Python-Filmkomödie „Die Ritter der Kokosnuss“. Die neu komponierte Musik von Erik Idle mit jeder Menge Feel-Good-Songs lässt natürlich auch Kultklassiker wie „Always Look on the Bright Side of Life“ nicht vermissen.



Dienstag, 17.10.2017, 19.30 Uhr

GÖTTERSPEISE von Noah Haidle

Constant hat ihren Platz im Leben gefunden – hinter der Theke der Schul-Cafeteria. Leidenschaftlich und kreativ ersetzt sie den undefinierbaren Mittagsbrei mit kulinarischen Höhepunkten: Roastbeef mit Yorkshire Pudding und Rotweinsoße statt Maiscreme und Götterspeise. Schnell wird sie zur guten Seele der Schule, die Schülern wie Lehrern Trost und Gehör spendet.

Auch Mathelehrer Tom Collins, Constants einstige Jugendliebe, reiht sich in die die hungrige Schlange ein. Aus Einsamkeit lässt sie sich auf dem Rücksitz seines Wagens von ihm schwängern. Als dann aber ihre Stelle gestrichen wird und man ihr das Kind wegnimmt, sieht auch Constant rot.

Ihr Wunsch, die Welt durch Mitgefühl zu retten, bringt sie bald selbst auf einen Passionsweg. Doch vom Kellnerinnenjob im Flughafenimbiss über die Psychiatrie bis zum Gefängnis, wo sie für Sterbehilfe die Todesstrafe erwartet, bleiben ihre ungebrochene Liebe zu den Menschen, ihr Idealismus und ihr bedingungsloser Gerechtigkeitssinn erhalten, sodass sie am Ende selbst mit der Götterspeise ihren Frieden macht.

Noah Haidle erzählt anrührend und mit bösem Witz von einer Botschafterin der Liebe, die niemanden etwas Böses will und doch in der Gesellschaftsspirale ständig tiefer sinkt. Dabei stellt diese abgründige und gut gebaute Komödie nichts weniger als die menschliche Existenz in Frage.




Dienstag, 14.11.2017, 19.30 Uhr

NATHAN DER WEISE von Gotthold Ephraim Lessing

Jerusalem, Ende des 12. Jahrhunderts. Der Jude Nathan kehrt von einer Geschäftsreise in die muslimisch beherrschte Stadt zurück und erfährt, dass seine Tochter Recha von einem Tempelritter aus seinem brennenden haus gerettet wurde. Das Mädchen glaubt fortan an einen Schutzengel. Damit nicht genug, wird Nathan, den alle den Weisen nennen, zum Sultan bestellt, der eine Antwort auf eine höchst heikle Frage haben will: Welcher Glaube ist der einzig wahre und richtige?

NATHAN DER WEISE ist Lessings letztes Drama, das vor dem Hintergrund des Idealismus der Aufklärung die Frage nach Toleranz, Menschlichkeit und Respekt in den Mittelpunkt rückt. Ist jedoch in einer Zeit, in der sich auf der ganzen Welt religiös motivierte Konflikte und Kriege immer weiter zuspitzen, in der Terroranschläge und die Angst vor Überfremdung täglich neue Ausmaße annehmen, der Gedanke von der Toleranz zwischen den großen Religionen überhaupt noch haltbar?

NATHAN DER WEISE ist 2019 verpflichtende Abiturlektüre in Niedersachsen.




Dienstag, 19.12.2017, 19.30 Uhr

ENDSTATION SEHNSUCHT von Tennessee Williams

Blanche DuBois versteht sich als Südstaatenschönheit – selbst nach dem Verlust des Familienanwesens und ihrer Kündigung als Lehrerin. Nun ist sie auf dem Weg nach New Orleans zu ihrer Schwester Stella. Dort hofft sie, sich ein neues Leben aufzubauen. Doch sie kann ihre elitäre Einstellung nicht ablegen und stößt sich an den beengten Verhältnissen im Arbeitermilieu.

Ihr gegenüber steht ihr Schwager Stanley, Nachfahre polnischer Einwanderer und Ex-Soldat. Er vertritt das neue Amerika, in dem das Werk der eigenen Hände mehr zählt als die Herkunft. Für ihn ist die Schwester seiner Frau mit ihrer kulturellen Überlegenheit ein Störfaktor, der nicht toleriert werden kann.

Während Blanche sich in Tagträumen und Alkohol verliert, um der Situation zu entkommen, stellt Stanley akribische Nachforschungen an und erfährt all ihre bisher gehüteten Geheimnisse. Gnadenlos nutzt er sein Wissen, um Blanche in ihrer Hilflosigkeit weiter in die Ecke zu drängen und ihr jede Chance auf einen Neustart zu nehmen …

ENDSTATION SEHNSUCHT wurde allein mit der ersten Inszenierung von 1947 unglaubliche 856 Mal am Broadway gespielt und 1999 von den amerikanischen Theaterkritikern zum wichtigsten Theaterstück des 20. Jahrhunderts gewählt.




Dienstag, 13.02.2018, 19.30 Uhr

FEUER AUS DEN KESSELN (AT) von Ernst Toller

In der Nacht vom 29. Auf den 30. Oktober 1918 lag die deutsche Hochseeflotte vor Wilhelmshaven – und meuterte. Die Heizer löschten die Heizkessel, die Matrosen verweigerten die Befehle. Am 4. November 1918 kam es in Kiel zu weiteren Aufständen der Matrosen und Arbeiter, die das Signal zur Novemberrevolution gaben und die auch in Emden großen Widerhall fanden.

Auf Grundlage der Tagebücher Hans Beckers´, einem der Wortführer an der Meuterei auf den Kriegsschiffen SMS Prinzregent Luitpold sowie SMS Friedrich der Große 1917, beschreibt Ernst Toller in seinem expressionistischen Drama FEUER AUS DEN KESSELN 1930 die Gründe für die Entstehung dieser Aufstände.

Zum 100-jährigen Gedenken dieser Revolution wird die Landesbühne Niedersachsen-Nord ein Theaterprojekt entwickeln, das sich ausgehend von Ernst Tollers Historiendrama an den besonderen, individuellen Geschichten, Gesichtern, Straßen und Wegen in Wilhelmshaven und Kiel orientiert.




Dienstag, 08.05.2018, 19.30 Uhr

YVONNE, PRINZESSIN VON BURGUND von Witold Gombrowicz

Am Hofe König Ignaz´ ist alles wie sonst. Eben noch wurde das Untergehen der Sonne bewundert und ein Spaziergang im Park beschlossen, um sich am Nationalfeiertag mit dem Volk zu verbrüdern. Hauptsache, man ist rechtzeitig zum Abendessen wieder im Schloss.

Da schickt Prinz Philipp mit den Worten „Ich wünschte, es würde etwas passieren!“, ein Stoßgebet gen Himmel – und sie erscheint. Yvonne, ein unscheinbares, schweigendes, schüchternes und apathisches Mädchen, der Schrecken aller Schwiegermütter. Fasziniert von dieser personifizierten Provokation beschließt Prinz Philipp, sie zu heiraten. Welch ein Skandal!

Die stumme, ängstliche Gegenwart ihrer vielfältigen Defizite führt dazu, dass jedem seine eigenen Mängel, Schmutzigkeiten und kleinen Sünden zu Bewusstsein kommen. Der Hof verwandelt sich zusehends in eine Brutstätte von Psychopathen. Nicht lange, und in jedem Bewohner des Hofes gärt der Wunsch, diese unausstehliche Zimperliese zu ermorden.

Der polnische Dichter Witold Gombrowicz ist einer der bedeutendsten Autoren der Moderne und gehört zu den großen Außenseitern und Provokateuren der Weltliteratur.